Februar

Jesus nachfolgen

Die Macht des Winters wird brüchig: neuer Aufbruch, neue Lebensfreude (Karneval, Fasching) und Ruf in die Nachfolge Jesu, die auch Grenzen setzt

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Grenzen erfahren:

Psalm 121
EG 346 | Such, wer da will, ein ander Ziel
EG 166 | Tut mir auf die schöne Pforte

Predigt:

Samenkörner streuen

Autorin: Dr. Jürgen Kaiser
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4 Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis:
5 Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.
6 Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.
7 Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.
8 Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
9 Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute.
10 Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist's gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.
11 Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes.
12 Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden.
13 Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.
14 Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife.
15 Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
 
 
Gottes Wort, liebe Gemeinde, es kann ihm viel passieren. Aber am Ende wird es Frucht bringen.
 
Gottes Wort. Es wird gesprochen, es wird geschrieben, es wird gedruckt, es wird gelesen, es wird vorgelesen, es wird gepredigt, es wird gesungen, es wird gebetet.
Gottes Wort: Es wird gelesen. Aber dann wird es wieder vergessen. Es wird gehört, aber andere Worte sind lauter, verlockender, spannender, wichtiger, moderner, gefälliger, faszinierender, strahlender, und übertönen es. Es wird gelesen und gehört, aber man hat keine Zeit, ihm nachzugehen, man hat so viel anderes zu tun, man muss arbeiten und Geld verdienen, man muss sich um die Kinder und um die Eltern kümmern, man muss zum Arzt und für die Gesundheit sorgen, schon für all dies reicht die Zeit kaum aus. Das Wort Gottes kommt unter die Räder. Und doch steht am Ende die Ernte und sie ist reich.
 
Über alles können wir uns Gedanken machen. Über die Unzeitgemäßheit der Predigt. Über die Nachteile der modernen Hör- und Sehgewohnheiten für das Hören einer Predigt. Darüber, dass nur wenige Menschen mehr als drei Minuten einem Text zuhören können. Darüber, dass Informationen heute immer mit Bildern angereichert werden müssen und Informationen ohne Bilder kaum mehr wahrgenommen werden. Darüber, dass die Menschen heute, vor allem in den Städten, Events aufsuchen, Veranstaltungen, wo es chick ist und wo man hingeht, und nicht leere Kirchen am Sonntag Vormittag, in denen einer 20 Minuten über Dinge spricht, die keinen interessieren. Auch darüber, dass die Bibel nicht mehr gelesen wird, weil keiner mehr die Muße aufbringt, sich in einen schwierigen Text zu vertiefen.
 
Über alles können wir uns Gedanken machen und auf alles können wir reagieren. Erfolgreiche Bauern studieren den Wetterbericht und finden heraus, wann die beste Zeit zum Säen ist. Wir können den Gottesdienst auf den Samstagabend verlegen und eine Lichtshow einbauen oder auf den Sonntagabend verlegen, ihn spannend wie einen Krimi machen und „Tatort-Gottesdienst“ nennen. Erfolgreiche Bauern analysieren den Boden und designen eine Saat, die zu ihrem Boden passt. Wir können die Gemeinde analysieren und eine Predigt designen, die zu den Lebensfragen der vor uns sitzenden Menschen passt.
 
Erfolgreiche Bauern säen gezielt. Wir können Gottesdienste für Zielgruppen anbieten, einen für frisch Verliebte, einen für frisch Geschiedene, einen für Hundebesitzer und einen für Katzenfreunde, einen für Tangoliebhaber und einen für Cineasten, einen für die Glücklichen und einen für die Unglücklichen. Erfolgreiche Bauern rasen mit riesigen Treckern übern Acker. Wir können atemlose Gottesdienste für die Gemeinschaft der Eiligen machen und die Predigt auf drei Impulse und vier Minuten begrenzen. Erfolgreiche Bauern singen nicht mehr „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“ (EG 508), sondern hören RTL aus den große Soundanlagen ihrer schnellen Trecker. Wir können eine Band einladen und statt Matthias Claudius rhythmische Kirchensongs singen, bei denen man aufsteht und klatscht.
 
Wir können vieles machen und auch Erstaunliches. Originelles und Mediengerechtes. Vielleicht sogar einen Flashmob-Gottesdienst. Wir nennen die Gemeinde nicht mehr Gemeinde sondern Publikum und halten dem Publikum ein Mikro vor die Nase, damit es seine Meinung äußern kann und aus der altmodischen Einbahnstraßenkommunikation Predigt eine lockere Gegenverkehrskommunikation wird. Wir können den Bibeltext in möglichst moderner und umgangssprachlicher Übersetzung in verteilten Rollen lesen, wir können die Bibel eine Woche lang Marathon laufen lassen oder sie in appetitlichen Häppchen in Apps packen und sie übers Smartphone den U- und S-Bahnfahrer zum Verzehr anbieten, in der Premiumversion für 3,99 ohne Werbung.
 
Über alles können wir uns Gedanken machen. Über all dies und über vieles mehr hat man sich Gedanken gemacht. So viele verschiedenen Säh- und Verkündigungstechniken hat man ausprobiert, die Sähleute und Prediger von einer Fortbildung zur nächsten geschickt.
Und immer noch fällt so vieles auf den Weg und wird zertreten, fällt so vieles auf den Fels und verdorrt, fällt so vieles unter die Dornen und wird erstickt. Es passiert so vieles dem Wort Gottes. Was wir auch machen, wie wir uns auch mühen – es geht immer noch so vieles daneben. Manche säen auch so penetrant auf die Abwege des Zeitgeistes, dass es selbst kirchenfernen Menschen schon anfängt, peinlich zu werden.
Doch allem unserem Tun und Mühen und manchmal auch unserm Mutwillen und Übermut zum Trotz: Am Ende wird es fruchtbar sein!
 
Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht. (Mk 4,26)
Von selbst! Automatä, seht da im griechischen Text des Evangeliums: „automatisch“. Der Reich Gottes Automatismus. Es wächst von selbst.
Wir können uns Gedanken machen wie wir wollen, es geht immer einiges daneben. Und doch wächst es von selbst. Und doch gibt es am Ende hundertfache Frucht.
 
Liebe Gemeinde, es gibt kein größeres Wunder als dieses. Es gibt auch kein Wunder, das schwerer zu glauben ist als dieses. Dass es auch ohne uns gehen sollte. Dass wir nicht so wichtig sind. Dass Gottes Wort auch ohne die Kirche Frucht bringt. Vielleicht macht es am Ende gar nichts, dass sonntagmorgens nicht viele unter der Kanzel sitzen. Vielleicht sät Gott sein Wort ja auch noch auf ganz anderen Feldern und auf ganz andere Weise.
 
Der Bauer sät und weiß doch genau: Gott lässt die meisten Früchte außerhalb seines Ackers wachsen: auf den Wiesen, in den Wäldern. Der Bauer weiß auch, dass von den Samenkörnern, die er ausstreut, viele nicht aufgehen werden. Trotzdem tut er, was er tun muss. Denn das weiß er eben bei alle dem auch: am Ende bringen die, die aufgehen, hundertfach Frucht.
 
Wir sollten beruhigt wissen, dass Gott sein Wort auch außerhalb der Kirche wirken lässt. Wir wissen auch, dass alles, was wir in der Kirche tun, oft vergeblich ist. Wir stoßen an unsere Grenzen. Dennoch tun wir, was wir tun müssen: Wir mühen uns um Gottes Wort im Predigen und im Hören. Dazu sind wir hier. Das Wort Gottes geht auf und wirkt und bringt viel Frucht – auch in der Kirche, seit 2000 Jahren, obwohl es manchmal gar nicht danach aussieht. Das ist das Wunder.
Wieder anderes fiel auf guten Boden, ging auf und brachte hundertfach Frucht. … Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Amen.
 
 
 
Gebet:
Gott, wir danken dir für dein Wort. Es ist gesagt, es ist geschrieben, es ist gedruckt, es wird gepredigt, es wird gehört, es wird getan. So viele Menschen hat es getröstet und ermahnt, in so vielen Jahrhunderten, in Hütten und Palästen, in Kirchen und Kapellen, Ländern und Kontinenten. Dein Wort bringt viel Frucht.
Hör nicht auf, uns dein Wort zu sagen, es uns lebendig werden zu lassen, helfend und tröstend, ermunternd und aufbauend, weiterführend und aussichtsreich. Sage es uns, die wir es hören wollen, und sage es auch denen, die es nicht hören wollen. Sage es ihnen so, dass sie sich nicht ärgern und Anstoß daran nehmen.
Lass dein Wort laufen in der Kirche und auch außerhalb der Kirche, in den Parlamenten und Verwaltungen, in den Schulen und Universitäten, in den Krankenhäusern und Gefängnissen.
Gib deinem Wort Kraft, Kraft zum Vertrauen, Kraft zum Lieben, Kraft zur Umkehr, Kraft zur Vergebung, Kraft zur Versöhnung, Kraft zur Heilung, Kraft zum Leben und Kraft zum Sterben. Amen.
 
 
Lied: EG 196 „Herr, für dein Wort sei hochgepreist“
 
 

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