Weihnachten

Gott kommt zur Welt

Die zwei Aspekte des Weihnachtsfestes: Gott wird Mensch (Heiligabend und Christfest I) und Gott offenbart seine Herrlichkeit in Jesus von Nazareth (Epiphanias)

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Das Kind in der Krippe:

Psalm 98
EG 24 | Vom Himmel hoch, da komm ich her
EG 37 | Ich steh an deiner Krippen hier

Predigt:

Ein anderer Herrscher

Autorin: Dr. Christoph Kock
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I. Dunkelland
Es war von Anfang an aussichtslos. Eine neue Großmacht formierte sich. Schickte sich an, die Landkarte zu verändern. Benachbarte Herrscher bekamen es mit der Angst. Sahen ihre Macht bedroht. Hektisch schmiedeten sie Bündnisse. Führten Krieg gegen einen König, der nicht mitmachen wollte. Das hätten sie besser nicht getan – denn er holte Hilfe ausgerechnet bei ihrem Feind. Der handelte umgehend. Setzte seine Soldaten in Bewegung. Der Tritt ihrer Stiefel hallte durch die Täler. Schlimmer noch die Blutspur, die sie hinter sich herzogen. Geschundene und getötete Menschen. Verbrannte Erde. Eben Krieg.
Herrscher hatten sich verkalkuliert und ihre Untertanen mussten es ausbaden. Missglückter Machterhalt mit fatalen Folgen: Es wurde dunkel. Zappen duster. Krieg kam ins Land. So viel Elend. So viel kaputt. So viel Tod.
Geschichte: Fast 2.850 Jahre ist es her. Als Assur Großmacht wurde und seine Truppen nach Syrien und Nordisrael schickte. Teile des jüdischen Landes kurzerhand zu assyrischen Provinzen machte. Tribute erpresste. Abgaben wie eine Last auf aller Schultern.
Ein Krieg und seine Folgen. So viel Elend. So viel kaputt. So viel Tod. Wie Blei liegt die Finsternis auf den Menschen. Was soll nur werden? Wie geht es mit uns nur weiter? Keiner weiß Antwort im Dunkelland.
 
 
II. Licht an!
Horcht auf! Eine Stimme verschafft sich Gehör. Bricht das trostlose Schweigen. Übertönt die verstummten Klagen. Ein Prophet macht den Mund auf – spricht zu Gott und zugleich zu denen, die an ihn glauben.
 
Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.
Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.
Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
 
Der Prophet Jesaja macht das Licht an. Nein, er vertraut darauf, dass Gott das Licht anmacht und das Dunkel vertreibt. So stark vertraut er darauf, dass es für ihn schon hell wird. Das Licht ist schon zu sehen, die Freude groß, das Joch zerbrochen. Was für eine Zukunft: Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Der Krieg läuft ins Leere. Und dann beginnt der Frieden mit einem Kind:
 
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er‘s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.
 
Ein Kind, gerade erst geboren. Künftiger Herrscher auf Davids Thron. Versehen mit vielen Titeln. Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Ewigen Frieden wird er stärken und stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit.
Was redet Jesaja da nur? Das passt doch nicht zusammen. Ein Herrscher herrscht bis in Ewigkeit. Gott bewahre. Macht ist begrenzt. Endet mit dem Tod des Diktators. In Demokratien deutlich eher. Das kann doch kein Mensch. Ewig herrschen. Für dauerhaften Frieden sorgen. Schön wär’s. Nötig wär’s. Das Gedröhn der Stiefel stoppen. Dafür sorgen, dass die Blutspur endlich endet.
 
III. Held gesucht – und gefunden?
Solche Zukunft traut Jesaja Gott zu. Bündelt sie in einer Gestalt, die über das Menschenmögliche hinausgeht.
Später werden sie sagen: Jesaja schaut den Messias. Gottes Gesalbten. Der so anders herrschen wird als es die Pragmatiker für möglich halten. Dröhnende Stiefel und Gewalt sind kein Naturgesetz. Es geht anders. Es wird anders. Gott herrscht anders. Mit seinem Gesalbten. Dem Gott-Held.
 
Helden gibt es viele. Kriegshelden sind bei uns aus der Mode gekommen. In der DDR gab es Helden der Arbeit. Und der Gott-Held? Heldentaten vollbringt er keine. Wenn er auf den Plan tritt, ist alles schon gelaufen. Vorher geht das Licht an. Gott zerbricht das Joch und die Peitsche des Antreibers. Gott handelt und das Kriegsgerät wird verbrannt. Nichts bleibt mehr davon übrig. Dann erst kommt der Held. Kein Befreier, kein Reformer, kein Revolutionär. Eigenartig. Was das für einer sein wird.
 
Jesajas Traum zieht Kreise. Rund 800 Jahre später hallt er in der Weihnachtsgeschichte wider. Der Evangelist Lukas greift darauf zurück, um von Jesu Geburt zu erzählen. Was für ein Kontrast. Ein Kind liegt in der Krippe. Auf der Durchreise geboren. Unscheinbar. Und doch verbindet Lukas dieses Kind mit weitgehenden Erwartungen. So weit gehen sie, dass es Engel braucht, um sie zu Gehör zu bringen:
 
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“
 
Schon wieder ist die Freude groß: Der Heiland, der Retter, der Held ist geboren. „Heute geht aus seiner Kammer | Gottes Held, der die Welt | reißt aus allem Jammer.“ (EG 36.2)
Der Messias, Gottes Gesalbter – auf Griechisch heißt er Christus. Die Sprache mag sich geändert haben, die Erwartung nicht. Ein Herrscher – zweifelsohne. Geboren in der Stadt, aus der König David stammt. Aber wie wir dieses Kind die Welt retten? Anders als gedacht. So viel steht schon fest.
 
 
IV. Vom Umgang mit Visionen
„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Jesaja und Lukas sitzen jedoch nicht im Wartezimmer, sondern stehen in der Bibel. Weil sie sich nicht damit abfinden, dass die Welt zum Teufel geht. Weil der Glaube an Gott die Sicht der Dinge verändert.
 
Ja. Stiefel dröhnen und Mäntel sind blutgetränkt. Spuren von Krieg und Gewalt sind schnell bei der Hand. Abend für Abend in den Nachrichten. Wer Pech hat, ist zu nah dran. In Reichweite von Männern, die Bomben legen und mit Gewehren um sich schießen. Gewalt von nun an bis in Ewigkeit.
Jesaja widerspricht.
Lukas widerspricht.
Wer glaubt, widerspricht.
Gottes Zukunft sieht anders aus.
 
Lukas erzählt von einem anderen Herrscher. Seine Macht hält Ohnmacht aus und wird den Tod überwinden. Anstatt Leid über andere zu bringen, wird er es selber aushalten. Er wird sich für eine zweite Chance stark machen. Weil er die Menschen, denen er begegnet, mit Gottes Augen sehen wird. Ein verwundbarer Held ohne Waffen und doch mit einer Macht, die die Welt noch nicht gesehen hat.
All das beginnt mit einem Kind, das in einer Krippe liegt. Mit dem sich Gott verbindet. So klein macht sich Gott.
Logisch ist das nicht. Manchmal kaum zum Aushalten. Aber ein Ausblick, der es hell werden lässt. Ein Grund zu feiern.
 
Mit Visionen muss man unterschiedlich umgehen. Wer von einer Herrenrasse träumt, sollte schleunigst zum Arzt gehen. Aber wer von einer gerechteren und friedlichen Welt träumt, sollte eher zu seiner Bank gehen. Und dort entscheiden, was mit seinem Geld passiert: Rendite egal um welchen Preis oder nachhaltige Entwicklungen unterstützen. Es gibt Alternativen. Fonds, die ohne Rüstungsgüter oder Kinderarbeit auskommen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Wer vom Frieden träumt, muss nur die Augen aufmachen.
 
Weihnachten. Das ist das Fest des Beginns. Gott kommt zu den Menschen. Himmel und Erde berühren sich. Und die Welt verändert ihr Gesicht. Was für ein Traum von einem Frieden. Überliefert in der jüdischen Bibel. Wir schauen in der Krippe und träumen mit.
 
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er‘s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit.
 
Amen.
 

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