Weihnachten

Gott kommt zur Welt

Die zwei Aspekte des Weihnachtsfestes: Gott wird Mensch (Heiligabend und Christfest I) und Gott offenbart seine Herrlichkeit in Jesus von Nazareth (Epiphanias)

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Das Kind in der Krippe:

Psalm 98
EG 24 | Vom Himmel hoch, da komm ich her
EG 37 | Ich steh an deiner Krippen hier

Predigt:

Du bist hergekommen

Autorin: Christiane Quincke
Download:

(vorher sollte das Lied „Ihr Kinderlein kommet gesungen werden“, insbesondere die Strophe 3 - Alternative: durch einzelne Chorstimmen den Anfang der Strophe 3 ansingen lassen, gerne auch mehrmals.

Nach der Predigt würde ich „Ich steh an deiner Krippen hier“ singen lassen)

I.

Da liegt es, das Kindlein

 

Da liegt es und schaut dich an. 

Und du kannst gar nicht anders als zurückschauen.

Dieses Kind ist in dein Leben getreten - einfach so.

Ohne dich zu fragen.

 

Obwohl -

Eigentlich bist duja in den Stall getreten.

Und du denkst sofort: das ist doch kein Ort für eine Geburt!

Zwischen Vieh und Viehmist, 

dahinten krabbelt irgendwas. 

Du willst gar nicht genau wissen, was.

Aber da ist noch mehr. So ein Glanz von irgendwoher.

 

Ich steh an deiner Krippen hier 

und weiß nicht, was ich hier tu.

 

Hat dich das Sternenlicht hierher gebracht?

Bist du mit den Sterndeutern gekommen,

zusammen mit ihrer Sehnsucht nach dem, was dein Leben heil macht?

Vielleicht treibt dich ebenso wie sie ein Traum hierher.

Der Traum, dass einmal im Leben sowas wie Muskelspiele und Machtkämpfe keine Bedeutung haben.

Sondern etwas Kleines und Zartes und Ausgeliefertes viel stärker und wichtiger ist.

 

Oder bist du mit den Hirten gekommen?

Hat dich der Engel mit seinem „Fürchtet euch nicht“ hierher geschickt?

Vielleicht kommst du dir wie sie so bedeutungslos vor.

Vielleicht wünscht du dir wie die Hirten, dass einmal die Zeit kommt, 

in der die Letzten die Ersten sind.

Eine Zeit, in der deine Ängste ganz klein werden,

weil da dieses Kleine und Zarte und Ausgelieferte ist, 

und nur darauf kommt es an. Nichts sonst.

 

II.

Da liegt es das Kindlein.

Und warum auch immer du gekommen bist:

Du bist nun hier. Im Stall. Beim Kind.

Die Hirten bringen ihre Schaffelle mit und vielleicht Milch für die junge Mutter.

Auch du hast was dabei.

 

Deine Erinnerungen bringst du mit.

Deine Erinnerungen an die vielen Weihnachten.

Da sind gute dabei.

Einmal haben spontan die Nachbarn reingeschaut 

und das war dann richtig fröhlich gewesen. 

Mit ihrem kurdischen Essen und eurem Raclette.

Passte erstaunlich gut zusammen.

Einmal - da war nach langer Zeit dein Sohn wieder mit dabei.

Und ihr habt zusammen Musik gemacht.

Er Klavier, der andere Trompete, Gitarre und Flöte.

Und der Rest hat gesungen. Alle Lieder durch.

Und einmal hast du erlebt - du warst neu in der Stadt -, 

wie nach der Christmette einige einen Kasten Bier hervorhoben 

und in die Mitte stellten. 

Dazu Kuchen.

Wir feiern den Geburtstag von Jesus, erklärten sie.

Und es ging noch ganz schön lange in die Nacht hinein. 

Mitten in der Kirche.

Und ihr habt viel gelacht.

 

Aber die nicht so guten Erinnerungen bringst du auch mit.

Das erste Mal ohne die Mutter nach ihrem Tod.

Da fehlte sie. 

Wie sie sich im Sessel zurücklehnte, auf den Weihnachtsbaum schaute 

und „Ihr Kinderlein kommet“ sang. 

Zittrig und klar zugleich.

Und das eine Mal, als du dich mit deiner Schwester gestritten hast. 

Geschenkpapier aufheben oder wegschmeißen? 

Darum ging es und du schüttelst noch heute deinen Kopf darüber.

Ja, diese Erinnerungen hast du auch dabei.

Und du spürst: hier kannst du sie ablegen.

Sie gehören dazu. Wie du.

 

III.

Da liegt es, das Kindlein.

Hier ist gut sein.

Hier bist du mit deinem Herzen,

Das vielleicht etwas zittrig ist oder unruhig.

Vielleicht spürst du heute die Narben deiner Seele besonders.

Aber vielleicht spürst du auch die Fülle deines Lebens.

Die so schön ist und manchmal auch so anstrengend.

Fürchte dich nicht, hat der Engel gesagt.

Und streichelt zärtlich deine Narben.

Hab keine Angst, dich mit deinen Narben zu zeigen.

Und die Fülle deines Lebens, schön und anstrengend, gehört auch hierher.

Vielleicht hast du Angst, dieses Kind da könnte keinen Platz haben

zwischen deinen Narben und in der Fülle.

Aber diese Angst brauchst du nicht zu haben.

Gott ist da.

 

IV.

Da liegt es, das Kleine und Zarte und Ausgelieferte.

Und es findet seinen Platz in deinem Herzen.

Zusammen mit den anderen, die auch da sind.

Die Menschen, die du lieb hast und die dich lieb haben.

Die, die da sind, und auch die, die fehlen.

 

Vielleicht hast du selber Kinder.

Und die sind noch klein und brauchen dich.

Manchmal kosten sie dich zu viel Kraft.

Und manchmal hast du Angst, ob du gut genug für sie sorgst.

Lege deine Angst hier ab.

An der Krippen hier.

 

Vielleicht sind deine Kinder auch schon groß und erwachsen.

Gehen ihre eigenen Wege, die du nicht immer verstehst.

Sie könnten ruhig öfter anrufen.

Sie fehlen dir manchmal.

Und du bist traurig, dass ihre Kindheit so schnell vergangen ist.

Lege deine Trauer ab.

An der Krippen hier.

 

Vielleicht hast du aber auch gar keine Kinder.

Aber du kümmerst dich um die Nachbarin.

Oder um deinen Vater.

Oder du schreibst Worte, malst Bilder, spielst Cello.

Und du weißt nicht wirklich, wo dein Platz auf dieser Welt ist.

Lege deinen Zweifel ab.

An der Krippen hier.

 

Deine Angst, deine Trauer, dein Zweifel -

Alles das gehört hierher.

 

V.

Da liegt es, das Kindlein.

Und es gehört zu dir,

Ob du willst oder nicht.

Denn es ist Gottes Kind.

Und auch du bist Gottes Kind.

Klein und zart und ausgeliefert.

Du gehörst hier her in den Stall,

Auch wenn du nicht weißt, was du hier sollst.

 

Du bist hierher gekommen,

Stehst an der Krippen hier.

Im Stall mit seinen Gerüchen und seinem Glanz.

Geburtsort Gottes.

Der Ort, wo du zum Kind Gottes wirst.

Hier bist du nur du und niemand anderes.

Vom Sternenlicht hierhergeführt.

Vom Engel hierher geschickt.

Von den Hirten mitgeschleppt.

Du mit deiner Angst, deiner Trauer, deinem Zweifel.

Du mit deiner Liebe, deinem Mut, deiner Sehnsucht.

 

Deine Seele wird zum weiten Meer,

Hier an der Krippe.

Wo dieses Kind ist.

Deine Narben werden zu goldenen Linien der Liebe.

Weil dieses Kind da ist.

Und mit seinem Glanz im Herzen gehst du nach Hause,

Du Gotteskind.

Du zündest Kerzen an

Setzt dich an deinen Tisch.

Und Gott ist auch da.

Amen.

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