Februar

Jesus nachfolgen

Die Macht des Winters wird brüchig: neuer Aufbruch, neue Lebensfreude (Karneval, Fasching) und Ruf in die Nachfolge Jesu, die auch Grenzen setzt

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Grenzen erfahren:

Psalm 121
EG 346 | Such, wer da will, ein ander Ziel
EG 166 | Tut mir auf die schöne Pforte

Predigt:

Das richtige Wort

Autorin: Barbara Bockentin
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Seit einigen Jahren tut sie sich schwer mit der Beziehung zu ihrer Mutter. Ganz einfach ist es zwischen ihnen beiden nie gewesen. Doch dann hat es einen Punkt gegeben, der für sie entscheidend gewesen ist. Darüber ist eine Verständigung nicht möglich gewesen. Worte, die dann noch gefallen sind, haben den Graben eher noch vertieft. Die Erinnerung daran schmerzt wie eine nicht ganz verheilte Wunde. Immer wenn Telefongespräche unumgänglich werden oder gar Begegnungen, sticht es. Die Verletzung sitzt tief. So geht sie ihrer Mutter lieber aus dem Weg. Wenn eine Begegnung doch nicht zu vermeiden ist, achtet sie darauf, dass auf einer unverbindlichen Ebene gesprochen wird. Manchmal tut auch das weh. Eine Aussprache scheut sie. Inzwischen herrscht irgendwie Sprachlosigkeit zwischen ihnen. Ein Zustand, an dem keine von beiden rührt. Zuviel ist passiert.
Es lässt sie nicht los. Immer wieder versucht sie, dem einen Wort auf die Spur zu kommen. Dem einen entscheidenden Wort, das alles verändert hat. Gute Worte sind immer seltener geworden. Viele Worte sind ungehört verhallt. Manche Worte haben kurzfristig eine Änderung in ihrer Beziehung bewirkt. Andere Worte kehren sich gegen die Person, die sie ausgesprochen hat. Worte, die tragfähig sind, die Menschen aufblühen lassen, nach denen sehnt sie sich. Je mehr sie darüber nachdenkt, desto unsicherer wird sie.
Ein Lied von den Wise Guys fällt ihr ein. Das Themenlied zum Kölner Kirchentag 2009 „Lebendig und kräftig und schärfer.“ „Zusammen erleben, was das Leben ist.“, so fängt es an. Das geht nur, wenn man mit dem anderen im Gespräch bleibt. Das bedeutet, dass das Leben mehrere Facetten hat. Eben weil jeder es anders erlebt und wahrnimmt. Es anders gewichtet, was gesagt wird. Das gilt für jede Beziehung.
Das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch und durch – bis auf den Grund von Seele und Geist. Darauf bezieht sich das Lied der Wise Guys. Ein Dreiklang – der das Wesen von Gottes Wort beschreibt. Ein Dreiklang, der im Leben oft so unharmonisch daher kommt. Manchmal wird er geradezu schrill, so dissonant erklingt er.
Lebendig: Das erinnert an die Schöpfungsgeschichte. Allein mit seinem Wort wird Gott schöpferisch tätig. „Es werde…“ und Leben entsteht. Lebendig – das prägt die Beziehung Gottes zu den Menschen. „Ich werde sein, der ich sein werde.“ In dieser Selbstoffenbarung Gottes ist zu hören, dass Gott veränderlich ist. Von Beginn an geht er mit den Menschen durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Durch Zweifel und Vertrauen, durch Angst und Zuversicht. So erweist er sich auch in seinem Reden als lebendiger Gott. Als einer, der das Leben kennt und mitgeht.
Wirksam: So wünschen Menschen sich ihr Reden. Es soll auf empfangsbereiten Boden treffen. So ist Gottes Wort. Es verlangt nach Auseinandersetzung. Es fordert zu einer Stellungnahme heraus. Wenn Menschen sich auf Gottes Wort einlassen, dann bleibt das nicht folgenlos. Die Jünger Jesu lassen Vertrautes und Liebgewordenes hinter sich, um Jesu Ruf folgen zu können. Sie glauben daran, dass in Jesus Gottes Worte lebendig geworden ist. Dem haben sie sich nicht entziehen können. Manchmal haben sie die Konsequenzen gescheut. So wie Petrus, als er Jesu Wort nicht vertrauen konnte. Immer wieder haben sie sich von der Kraft seines Redens aufrichten lassen. So wie die Emmaus-Jünger oder Thomas. Gottes Wort ist wirksam geblieben, weil es lebendig ist. Gottes Wort ist wirksam, weil es immer weitergesagt wird. Menschen leben bis heute danach. Bis heute fordert es zur Entscheidung heraus.
Schärfer: Gottes Wort – zum Fürchten? Zum aus dem Weg gehen? So verstanden, ist diese Beschreibung für Gottes Wort dann der dissonante Ton im Dreiklang. Jedenfalls dann, wenn wir uns Gott nur als lieben Gott vorstellen können. Als einen Gott, der alles vergibt, alles verzeiht, alles übersieht. Wie langweilig! Wie leicht zu überhören! Wenn Gottes Wort einen Menschen trifft, dann geht es ins Herz. Dann kann es so sein, als ob es uns durch Mark und Bein geht. Seine Schärfe stellt nicht vor anderen bloß. Sie trennt Gelungenes von Misslungenem und macht damit Entscheidungen leichter. Weil Gott uns ganz nah kommt, kennt er uns bis in unsere Tiefen. Das kann unangenehm werden. Ein Blick auf die Schöpfungsgeschichte hilft beim Verstehen: Gottes Wort trennt Licht und Finsternis, Wasser und Feste. Deshalb kann Neues entstehen. Weil Gottes Wort schärfer ist als alles, was wir uns vorstellen können, erreicht es uns und lässt Neues entstehen.
Der Ausgang der Begegnung zwischen Mensch und Gottes Wort lässt sich nicht voraussagen. Wer sich darauf einlässt riskiert viel: bisherige Sichtweisen, Sicherheit und so manches Selbstverständliche. Das ist spannend. Das hält Gott und seine Beziehung zu uns lebendig.
Wie es mit ihrer Mutter und ihr weitergeht, kann sie sich kaum vorstellen. Ihr kommt die zweite Strophe des Liedes von den Wise Guys in den Sinn:Man fühlt sich oft auf sich allein gestellt. Oft fehlt die Kraft, dass man dagegenhält. Zu oft das letzte Wort den Ander’n überlassen, zu oft verführt, sich nur der Mehrheit anzupassen. Wir wachen auf aus dieser Lethargie und zeigen, dass wir so lebendig sind wie nie.“ Lebendig bleiben, immer wieder das Gespräch suchen, dabei klar und ehrlich sein, das wünscht sie sich. Dazu werden sie beide eigene Grenzen überschreiten müssen.
 
 

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